Ingenieurbüro Jaster

Naturtechnik



Der Waldumbau zu Mischwäldern



Eine Frage ist: Wollen wir die Wälder für die Erntemaschinen konzipieren oder nach den Gesetzmäßigkeiten der Natur selbst?






Entscheiden wir uns für das Zweite, so werden wir sogleich das Gesetz der Symbiose bzw. der gegenseitigen Förderung in der Natur beachten müssen. Auf den Wald angewendet, bedeutet dies die Einrichtung des Mischwaldes.

Die ganze Komplexität der gegenseitigen Wirkungen von verschiedenen Pflanzen und Tieren die übrigens zum größten Teil noch wenig erforscht ist – überblicken zu wollen, wäre für den normalen menschlichen Verstand eine Anmaßung. Kombinieren wir aber vorhandenes Fachwissen, ohne es zum Dogma zu erheben, mit der “anschauenden Urteilskraft“, die das eigene Wahrheitsgefühl mit einbezieht, dann kann das Suchen und Finden passender Lösungen für die jeweilige Situation zu einer Quelle der Freude werden, mit einem schöpferischen Element, ähnlich fast einer musikalischen Komposition.

Persönlichkeiten

Um der Natur gerecht zu werden, ist es sowohl notwendig, die Baumarten im Ganzen wie Persönlichkeiten so gut wie möglich kennenzulernen, als auch ihre Wahlverwandschaften. Aus der Praxis der biologischen Landwirtschaft ist es bekannt, dass Pflanzen Wirkungen im Boden entfalten, die auch nach der Ernte noch über Jahre wirksam sind.



Beispiel

Um z.B. einen reinen Kiefernwald auf sandigem Boden, wie er in Norddeutschland oft vorkommen mag, zu bereichern, bietet sich ein ganzes Arsenal von wertvollen Laubhölzern mit verschiedenen Eigenschaften an. Hier nur einige mit ein paar ihrer Eigenschaften herausgegriffen:

Ahorn: Sehr hohe Fruchtbarkeit der Streu,
wenig Verbiss durch Rehe,
wertvolles Holz,
malerische Herbstfärbung us ... usw...

Erle: Staunässe ertragend,
Stickstoffsammler im Boden,
geschätztes Möbelholz,
ideales Räucherholz usw... usw...

Vogelkirsche: Wertvolles Holz,
Reiche Blütenpracht,
Futter für Vögel,
wächst gern mit Kiefer,
wird wenig verbissen usw... usw...

Haselbüsche: Bestes Laubfutter,
gute Streu,
zur Stabilisierung von Waldrändern sehr gut,
essbare Nüsse usw... usw....

Bei Unterbaumaßnahmen ist gleich zu Anfang darauf zu achten, welche Antwort die Natur selbst auf die Maßnahme gibt. Da wir wissen, dass große Veränderungen sowieso nicht auf einen Schlag zu erreichen sind kann auch die Leichtigkeit, mit der sich eine Art einbringen lässt, eine Richtschnur sein, ob sie passend ist. Säen ist viel billiger als Pflanzen und zeigt andererseits auch schneller, ob die Pflanzen angenommen werden.

Waldumbau mit Pferden

Eine große Hilfe beim sanften Waldumbau können Arbeitspferde bringen, indem man mit ihnen kleine Bäume, die ersetzt werden sollen, mit Wurzeln rodet. Durch den Rodevorgang, der übrigens recht zügig geht, entsteht gleich die gewünschte Öffnung der Spreuschicht und Freilegung des Mineralbodens. Pflanzen oder Säen ist jetzt ein Leichtes.



Eine Frage der Dosierung

Ein weiteres großes Potential kann erschlossen werden, wenn wieder Verbindungen zwischen Land- und Waldwirtschaft gesucht werden. Manche bezeichnen Ziegen als Gift für den Wald, aber wie bei anderem Gift eben auch, macht es die Dosierung, und wenn die stimmt, dann wird ja Gift bekanntlich zum Heilmittel.

Ziegen sind meisterhafte Futterverwerter. Die spätblühende Traubenkirsche – Prunus Serotina, ein nicht heimisches Gewächs, welches sich zur Zeit in vielen Kiefernwäldern lawinenartig als eine Art Waldunkraut vermehrt – wird von der Ziege gern gefressen, ja sogar die Kiefernrinde selbst wird von Ziegen gefressen. Durch gezielte Entnahme junger Hölzer dieser Arten, kann einerseits der Bestand aufgewertet werden und auf der anderen Seite Fruchtbarkeit in Form von hochwertigem Ziegendünger auf landwirtschaftliche Flächen kommen.

Urfreundschaft



Für den Pferdehalter kommt dazu noch der Vorteil, der in der Urfreundschaft liegt, die zwischen Pferden und Ziegen zu beobachten ist. Schon früher war eine unerklärte positive Wirkung von Ziegen auf Pferde bekannt, weswegen in manch berühmtem Gestüt auch Ziegen gehalten wurden.

Auch hier handelt es sich um eine Wechselwirkung zwischen Arten, die vielleicht noch nicht wissenschaftlich erforscht oder bewiesen ist. Sie wird dem aufmerksamen, einfühlsamen Blick aber dennoch offenbar. Wie gut, dass uns niemand dazu zwingt auf den „Beweis“ oder eine Wirtschaftlichkeitsberechnung zu warten.





Dieser Text ist im Internet abrufbar unter:
www.kooperative-pferde.de

Das Projekt „Zeitgemäßer Einsatz von Zugpferden in der Land- und Forstwirtschaft“ wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Verbraucherschutz im Rahmen der Bundesinitiative „Regionen aktiv - Land gestaltet Zukunft“ gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieses Textes liegt beim Autor.