Ingenieurbüro Jaster
Naturtechnik
Veränderungen in der Waldbeschaffenheit im Wandel der Zeiten
Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit vollzieht sich seit einiger Zeit eine schleichende Revolution im deutschen Wald, deren Ausmaß fast nur den Menschen bekannt ist, die direkt beruflich damit zu tun haben.
Gemeint ist der konsequente Einsatz von Großmaschinentechnik bei der Holzernte, eine Entwicklung, die meistens mit wirtschaftlichen Gründen gerechtfertigt wird, wodurch die davon betroffenen Wälder mit einem rasterartigen Gassensystem durchzogen werden, welches eine bisher in dieser Form noch nicht dagewesene Strukturveränderung des Waldes bedeutet. Ob diese Art von Ordnung wirklich der inneren, lebendigen Ordnung in der Natur entspricht, bleibt jedoch fraglich.
Suchen wir uns in ein Verhältnis zur Lage des heutigen Waldes zu setzen, so kann es hilfreich sein, die Entwicklung der Waldbeschaffenheit in dieser Weltregion unter dem Gesichtspunkt der geschichtlichen Überlieferung zu betrachten – nicht ohne zu bedenken, dass diese letztlich nur ein unvollständiges und spekulatives Bild der vergangenen Wirklichkeit darstellen:
Historisch gesehen war der erste große Einschnitt von Menschenhand im hiesigen Waldgefüge die Übernutzung der Wälder in der Zeit der römischen Besatzung. Für luxuriöse Bäder sollen damals die ersten Wälder ersatzlos abgeholzt worden sein. Es gibt durchaus Aussagen, dass dahinter eine gezielte Strategie steckte, aus dem Wissen, daß der Wald ein inneres Kräftereservoir der Menschen beliefert, welches man Ihnen entziehen mußte um die eigene Macht auszudehnen. Bekanntlich konnte sich der römische Einfluß, der übrigens auch neue Begriffe von Eigentum an Grund und Boden mit sich brachte, nicht sofort über das ganze Gebiet des heutigen Deutschland ausdehnen, sondern es entstand erst einmal, etwa in der Mitte, eine Grenze. Für eine feinfühlige Beobachtung ist bei vielen Menschen heute noch eine tendenziell unterschiedliche innere Einstellung gegenüber der Natur zwischen Nord- und Süddeutschland zu erleben. Nach der Feldtheorie, einem Gegenstand moderner wissenschaftlicher Forschung (Sheldrake), müßte man sagen: Das damals aufgebaute Energiefeld ist heute weiterhin wirksam.
Was aus der Zeit des Mittelalters bekannt ist, deutet auf eine ausgesprochen vielseitige Nutzung des Waldes hin: neben Bauholz, Brennholz und Jagdbeute war er Lieferant einer großen Zahl von äußerst wichtigen Rohstoffen, wie zum Beispiel das Baumharz für Küfer, Bootsbauer und andere oder die Rinde von Eichen und Fichten zum Gerben von Leder, den Bast von Linden als das Sisal des Mittelalters, Weidengerten für die Korbflechterei usw. Außerdem war die Waldwirtschaft anders als heute innig mit der Landwirtschaft verwoben: Schweine wurden gemästet, Dünger entnommen, Laub verfüttert, eingestreut und auch die Zeidlerei, also die Bienenhaltung in Hohlstämmen im Wald soll zeitweise von hoher wirtschaftlicher Bedeutung gewesen sein.
Erste deutliche Anzeichen einer Übernutzung des Waldes mit einer Verknappung von Holz sind aus dem späten und ausgehenden Mittelalter überliefert, als aus den Dörfern Städte entstehen, als Eisen und Glas in größeren Mengen verhüttet und immer mehr Salz gekocht wird. Aus dieser Situation entstehen mit der Neuzeit die ersten Forstordnungen und überhaupt der neue Beruf des Försters. Dies alles kam nicht immer friedlich und gerecht zustande und es hätte auch schiefgehen können, denn wie nahe man damals am Umkippen des ökologischen Gleichgewichtes gewesen ist, kann man nicht genau sagen. Vielleicht hat uns nur das in diesen Breiten äußerst waldfreundliche Klima noch vor einem gänzlichen verschwinden des Waldes bewahrt (siehe Griechenland).
Das Entscheidende war aber sicher die Entstehung eines neuen Bewusstseins für die Natur: Es wurde erkannt, daß eine Mäßigung notwendig war um den Wald zu erhalten. Das Prinzip der Nachhaltigkeit wurde für die Allgemeinheit entdeckt und sogar Wald wieder angepflanzt – etwas, was aus heutiger Sicht selbstverständlich erscheint, damals aber aus vielen einzelnen Initiativen heraus entstehen musste, denn eine landesweit übergeordnete Waldverwaltung gab es nicht und ebensowenig Statistiken oder Holzvorratsberechnungen. Die Menschen handelten aus der eigenen Wahrnehmung heraus und taten das Notwendige. Ihnen gebührt Dankbarkeit.
Bewegen wir uns weiter im geschichtlichen Panorama der Waldentwicklung, so finden wir die Umbrüche in der Gesellschaft, seien es Kriege oder Revolutionen in ihren Auswirkungen deutlich im Wald wieder. Es führte zum Beispiel der dreißigjährige Krieg mit dem Zusammenbruch von Rechtsordnungen, wie die entstandenen Forstgesetze, auch zu bedeutenden Waldzerstörungen. Aufgrund der Schrumpfung der Bevölkerung und dem Zusammenbruch der Wirtschaft bekam der Wald aber dennoch eine gewisse Atempause zur Erholung.
Viel gravierender aber und vor allem langfristiger, ist die Wirkung vom menschlichen Denken selbst. Hierbei sticht besonders die um 1820 sich ausbreitende Bodenreinertragslehre hervor, die streng privatwirtschaftlich ausgerichtet ist, mit dem Ziel, nach den Regeln der Geldwirtschaft die größtmögliche Rendite aus dem Waldboden zu erwirtschaften. Mit dem Holzvorrat als Kapital und dem Holzzuwachs als Zinsen, errechnet man den Ertrag und dieser wiederum maximiert, bestimmt die Baumart und die Umtriebszeit (Erntealter der Bäume). Altersklassenwald in Monokultur und Kahlschlag sind die konsequenten Folgen dieser Theorie. Das Leben hat zwar diese Theorie als solche bereits entlarvt – so beweisen Stürme, was sie von der oben genannten Waldstruktur halten – aber die dahinter stehende Denkweise erweist sich als sehr schwer wieder loszuwerden und erscheint in immer neuen, raffinierteren Varianten, denn es geht um Geld.
Wie der Leser bemerken kann, sind wir bei diesem Thema sogleich in der Gegenwart angelangt. So wie man andere Zeitepochen nach den jeweiligen gesellschaftsgeschichtlich bedeutenden Tendenzen Theokratie, Demokratie usw. genannt hat, wäre es eigentlich nicht verwunderlich, wenn die heutige Zeit als die der Monekratie (von Moneten) in die Geschichte eingehen würde!
Diese Bezeichnung soll weder Übertreibung noch Verurteilung sein. Vielmehr sollte es bei voller Anerkennung der heutigen Gegebenheiten, möglich sein, sich der eigentlichen Beweggründe für, zum Beispiel, eine Arbeit mit Pferden im Wald, bewusst zu werden.
Sehr leicht ersichtlich ist zwar das riesige Arbeitsplatzreservoir in Land- und Waldwirtschaft welches entstünde, wenn Mäßigung im Maschineneinsatz stattfinden würde. Da sich allgemeine Apelle in der Regel aber als nutzlos erweisen, weil sie sich an „die anderen“ richten, kann man sich diese getrost sparen und die Energie lieber darauf verwenden, die eigene Erlebnisfähigkeit zu stärken um aus dem direkten Erleben der Natur die Impulse zu bekommen, was zu tun sei. Im Vertrauen darauf, dass in jedem Menschen das Bedürfnis lebt, eine intakte Natur zu erleben, sollten wir uns nicht davon beirren lassen, dass sich viele Qualitäten nicht oder noch nicht messen lassen und einige Ergebnisse modernster Forschung in diesen Bereichen noch nicht zum Allgemeinwissen gehören.
Ein selbst erlebtes, tiefes, inneres Wahrheitsgefühl, welches durch den Verstand, wenn überhaupt, erst nachträglich bestätigt wird, hat schon viele Menschen hervorragendes leisten lassen.
Wie wären denn, die uns anrührenden Märchen, wie sie von den Gebrüdern Grimm gesammelt wurden, entstanden, wenn nicht in früheren Zeiten Menschen gelebt hätten, die so in der Natur lebten, dass diese ihnen ihre Geheimnis zuraunte und vielleicht sogar – man mag lachen – ihnen als Wesen im Walde erschienen? Wer über Märchen lacht und sich intelektuell überlegen fühlt, der möge sich einmal eine bestimmte Erzählung aus der Sammlung „Tausend und eine Nacht“ durchlesen, nämlich das Märchen von Aladins Wunderlampe. Es ist wohl unbestritten, daß dieses Märchen vor vielen Jahrhunderten entstanden ist und doch ist darin, in bildlich treffender Weise, der Ölreichtum der heutigen Scheichtümer, verblüffend und eindeutig beschrieben: Ein Junge findet unter der Erde eine Öl-Lampe, mit deren Kräften er Paläste in Windeseile herbeizaubern kann!
Ahnte der Märchendichter, dass unter dem Sand auf dem er saß, ein Ölsee lag und dieser in fernen Zeiten einmal einen Reichtum bringen würde, der es ermöglicht Paläste nach belieben in die Wüste zu "zaubern", beziehungsweise empfingen seine Feinstoffsensoren Informationen von dem energetischen Feld in der Erde, wie es jemand heute ausdrücken würde der sich mit der Erforschung von sogenannten morphogenetischen Feldern befasst?
Nachdem im zwanzigsten Jahrhundert die Spezialisierung in allen Bereichen auf die Spitze getrieben worden ist, mit großem Gewinn einerseits aber auch mit der Gefahr des Zerfalls andererseits, halten wir heute, um es mit den Worten aus Goethes „Faust“ zu sagen, „die Teile in der Hand es fehlt leider nur das geistige Band !“
Jedoch ist jetzt schon eine neue Strömung in der Gesellschaft erlebbar, die wieder die Zusammenhänge sucht, das Ganzheitliche, wie man sagt. Selbst in der Wirtschaft geht die Tendenz schon wieder zum Verbinden, indem zum Beispiel die neuen interdisziplinären Berufe immer gefragter sind.
Auch in der Waldwirtschaft steht vieles wieder auf dem Plan, was in diese Richtung geht. Mischwälder, Biotope, Ökologische Systeme, Zusammenführung von Wald- und Landwirtschaft und vieles mehr lassen längst überwunden geglaubte Bewirtschaftungskonzepte in einem neuen Licht erscheinen.
Dazu gehören sicherlich auch die Erfahrungen von Menschen die mit Arbeitspferden im Wald arbeiten und berichten, dass die Tiere neben der physischen Arbeit die sie verrichten, eine Art Vermittlung zwischen ihnen und der Natur vollbringen. Hier taucht das Urbild einer, in die Ordnung der Schöpfung eingebetteten Arbeit ganz handgreiflich vor uns auf und dies wird wohl der Grund dafür sein, dass diese Arbeit solch eine Faszination ausübt.

Gibt es Naturwesen ?
Quellen:
R. Plochmann, Universität München, "Mensch und Wald"
Rupert Sheldrake, "Das Gedächtnis der Natur", Das Geheimnis der morphogenetischen Felder
Johann Peter Eckermann, Gespräche mit Goethe
Dieser
Text ist im Internet abrufbar unter:
www.kooperative-pferde.de
Das Projekt „Zeitgemäßer Einsatz von Zugpferden in der Land- und Forstwirtschaft“ wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Verbraucherschutz im Rahmen der Bundesinitiative „Regionen aktiv - Land gestaltet Zukunft“ gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieses Textes liegt beim Autor.